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Blogger Toni De Coninck von June erzählt

Toni Deconinck - June

Toni De Coninck ist Autor und Journalist und seit 2015 Chefredakteur der Online Reise- und Foodzeitschrift June. Er schreibt über alles, was das Leben angenehm macht, und dann ganz besonders über Reisen und Gastronomie. Bei June.be geht es um den kulinarischen Tourismus. Nicht unbedingt mit einem großen K. Aber mit Q von Qualität und G von Genießen. Es sind die Dinge, die Sie und ich essen und trinken, wenn wir einen Ausflug machen oder ins Ausland reisen. Da gehört schon mal ein Stern dabei, aber auch die Hopfensprossen in Poperinge, die Currywurst auf dem Alexanderplatz und ein Gelato in Firenze. June gibt die richtigen Tipps und schreibt die leckersten Geschichten. Und es ist immer Platz für ein Museum, ein Geschäft, ein Hotel, ein Park, eine Radfahrt oder nette Wanderung. Wir essen nicht die ganze Zeit auf Reise. Oder doch.

Toni ist verheiratet und Vater von zwei Teenern.

Blogger Toni Deconinck van June - sfeerbeeld schelpen op het strand aan de Kust

Reportage - 26.11.2018

Die Küste ist in allen Jahreszeiten angenehm, aber im Winter ist es doch herrlich ruhig und können Sie die lecken Schalen- und Krustentiere essen. June.be ist nach Middelkerke und Westende und Sint-Idesbald gereist.

Toni Deconinck en de Olnetop in Westende aan de Kust

Middelkerke

Middelkerke, das ist die Gemeinde meiner Jugend. Von unschicklich großen Pfannkuchen, Fahrten mit dem Gokart und Cocktails im Tam-Tam. Auch wenn ich damals beinahe schon zwanzig bin, ich will es los werden. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich als Kind auf einem Biene Maya-Handbuch sitzend die Sandstreifen zählte, bis das Wasser den Abschnitt ganz übernommen hatte. Zuerst den trockenen Teil, mit Sandkörnern, die zwischen den Fingern verschwanden, als ob sie durch eine unsichtbare Kraft nach unten gezogen wurden. Dann den rumpligen Teil, den ich immer mit der Struktur der Hände vergleiche, wenn man zu lang in der Badewanne geblieben ist. Und zum Schluss den Streifen, den ich in meiner Fantasie den Treibsand nannte, die paar Meter, die noch aufgeweicht waren vom Meereswasser und in dem die Füße ein paar Nanosekundenlang stecken blieben. Wir liefen immer bis ans Meer und die frische Temperatur des Wassers schien uns nicht zu stören. Springen und gröhlen, und ab und zu aufpassen, damit man nicht barfuß auf eine glibberige Qualle trat.

'Ich habe es so mit den Gerüchen, dem Parfüm einer berauschend schönen Frau’.

Es ist verrückt, wie Erinnerungen schwächer und dann wieder lebendig werden, als ob jemand das Licht in einer Hinterkammer des Cortexes wieder eingeschaltet hat. Ich habe es so mit den Gerüchen, dem Parfüm einer berauschend schönen Frau, aber auch mit dem Geruch von Karton und Pappe, der in alten Häusern zu finden ist. Geräusche! Ich weiß ganz genau, auf welchem Abstand man die Brandung des Meeres beginnt zu hören, bei Flut. In Westende ist das auf dem halben Wulpenlaan. Plötzlich hört man es, erst ganz leise und im Handumdrehen ein lautes Rauschen. Ach, was ist die Küste im Winter doch schön! Wenn wir von Westende-Bad warm eingekuschelt nach Middelkerke wandern, dort, wo wir früher einen Gokart ausleihen konnten, zählen wir die Anzahl Besucher auf einer Hand oder zwei. Hunde? Vieleicht auch zehn. Kleine Terrier, spielende Labradors, ein Schäferhund oder zwei.

Toni Deconinck en de Caterpillar in Westende aan de Kust

Der Caterpillar in Westende

Im Skulpturenpark, ungefähr auf der Grenze der beiden Badeorte, haben der  ‘Caterpillar 5 bis’ und ‘I can hear it’ vor einigen Jahren die Gesellschaft von Nick Ervincks ‘Olnetop’ bekommen, und ich finde, es ist die ideale Struktur, meine Obsession mit Seegeräuschen darzustellen. Ervinck hat die Bewegung von aufspritzendem Nass eingefroren und die Brandung in gelbem Polyester gegossen. Die Skulptur ragt acht Meter aus den Dünen hervor, und in dieser wütenden Dynamik allein die Gesellschaft von wehendem Gras und Besenginster duldet, dieser dickköpfigen Flora, die selbst im November und Dezember noch probiert zu blühen. Dieses Jahr baute Simon Dybbroe Moller am Standklub De Kwinte in Westende ein halb versunkenes Ruder, den Navigator. Es ist ein nostalgisches Stück. Wer in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Internet hatte, erkennt sicher das Logo von Netscape, dem Browser, der rasch vom Schnellzug von Microsoft überrannt wurde.

Dreizehn Euro fünfzig, liebe Leute, und bitte nicht weitersagen.

Wir gehen im Den Toogoloog zu Mittag essen, eines der am besten bewahrten Geheimnisse der Nordsee. Den Toogoloog bietet hunderte Biere aus allen Provinzen und Regionen. Wir kennen keine Kneipe, die so viele Trappistenbiere auf der Karte hat. Alle belgischen, niederländische Trappisten, selbst Tre Fontane aus Italien. Sie finden hier auch das Jus de Mer, dem herrlichen blonden Triple, das ein paar Straßen weiter gebraut wird. Serviert in einem tiefen, kelchförmigen Weinglas mit einem cremigen Schaumkragen, der nach jedem Schluck eine leichte Spur in den Mundwinkeln hinterlässt. Wir essen hier „West-Vlaamse hutspot“ (ein Eintopfgericht aus Kartoffelpüree, Kohl und Möhren), das so lecker ist, dass jemand Den Toogoloog mal einen Preis für dieses kulinarische Erbgut geben muss. Der Kohl, die Kartoffeln und die Möhren sind so gut miteinander verbunden, und im Gemüse finden wir Schinken, Speck und Bratwurst, die wir mit einem hochwertigen Senf, dem von Wostyn aus Torhout verspeisen. Dreizehn Euro fünfzig, liebe Leute, und bitte nicht weitersagen, denn besser geht nicht.

Middelkerke hat noch weitere Bierfachleute zu bieten: Karin und Dirk, die ehemaligen Besitzer von Den Toogoloog führen jetzt das B&B Lupuline und fahren Sie mit ihrem Vintage-Bus durch die lokale Bierlandschaft.

Met Toni Deconcink op pad in Middelkerke-Westende
Les Zéphyrs in Westende met Toni Deconinck

Les Zéphyrs in Westende

Viele haben es bedauert, als die Häuser der Belle Epoque mit Seesicht vor fünfzig Jahren Appartementsgebäude weichen mussten, aber das war das Schicksal eines Landes mit nur 67 km Küste und einfach die logische Folge der Demokratisierung des Fremdenverkehrs. Eine Küste wie in Seeland in den Niederlanden wäre bei uns unbezahlbar, die Häuser würden eine Million Euro kosten, eine Mahlzeit das Doppelte von heute. Lange habe ich mir die Frage gestellt, was denn eigentlich die beste Lösung war: die belgische Küste offen und sauber halten für eine Elite, oder die andere Lösung wählen, die auch nicht auf der Hand lag. Hochbau. Hier und da bleiben noch einige Reste, eingequetscht zwischen hohen Blöcken, und die Schönheit und Zierlichkeit lässt sich eigentlich nur vermuten. In Westende befindet das lokale Fremdenverkehrsamt sich in so einer Perle, der Villa Les Zéphyrs. Das Haus wurde 1922 von der Genter Arztfamilie Muyshondt nach Plänen des Architekten Oscar Van de Voorde gebaut. Interessant sind die Glas-in-Blei Rahmen, das Badezimmer mit versunkenem Terrazzobad, der Kellerküche und der Art-Nouveau Verkleidung des Esszimmers und dem Fumoir. Bauhaus-Gründer Henry Van de Velde hat die Vertäfelung, den Buffetschrank und den Kamin entworfen.

Wussten Sie, dass Sie in Middelkerke eine Reihe kleine Boutique-Hotels finden? Das Villa Hotel Westende ist eines davon. Ein Stück englischer Gentleman’s Club, etwas schwarz und rot und ein Jacuzzi auf der Terrasse, die wir heute lieber unberührt lassen. Und wussten Sie, dass Sie in Sint-Idesbald, nur knapp zehn Kilometer entfernt, das “Goldene Dreieck” der Küstengastronomie finden? Mit dem berühmten Carcasse von Topmetzger Hendrik Dierendonck als Zentrum? Wir genießen hier Kalbstartar und -hirn auf Toast mit Kappern und einem tollen Stück Simmental de Bavière mit grobem Salz und vier Beilagen: Blumenkohl mit Speck, kandierte rote Zwiebeln, Rüben mit Comté und gestampfte Kartoffeln mit Kerbelmayo. Auch in Middelkerke gibt es mit VLASS seit Kurzem wieder eine neu Top-Adresse. Es lässt sich gut und vor allem lecker an der Küste aushalten. Und dies gilt besonders für den Winter. Schalen- und Krustentiere sind dann am besten. Und Pfannkuchen schmecken doch zu allen Jahreszeiten, oder?

Lekker eten bij Dierendonck met Toni Deconinck aan de Kust

Praktisch

  • Wir übernachten in der Villa Hotel Westende, Charles de Broquevillelaan 17, Tel. 0497/53.32.01
  • Lunch: Bierspezialladen Den Toogoloog, Kerkstraat 7, Tel. 059/42.66.02
  • Abendessen: Carcasse, H. Christiaenlaan 5, Sint-Idesbald, Tel. 058/51.72.49. Carcasse ist Botschafter des Leckeren Westen
  • Die anderen Top-Adressen in der Nähe: VLASS, Julia und Willem Hiele.
  • Besuchen Sie die Brauerei Jus de Mer, Westendelaan 142a.
  • Extra Tipp: Schauen Sie sich auch das Live Wetterbild auf der Webcam an.

Die Fotos des Restaurants Carcasse und Villa Les Zéphyrs werden freundlicherweise von Jan Darthet zur Verfügung gestellt.

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