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Kristien und Greetje, von Dingenzoekers, erzählen:

Die belgische Küste: Herbst am Meer

Dingenzoekers

Wir sind Kristien und Greetje, Autor und Fotograf, Entdeckungsreisende in Belgien. Als Dingenzoekers lassen wir uns von Pipi Langstrumpf inspirieren, die vor langer Zeit bereits erklärt hat: es gibt viele Dinge, und irgendjemand muss die auch suchen.

Unser Buch „België voor kinderen en hun baasjes“ (Belgien für Kinder und ihre Herrchen) ist beim Verlag Luster erschienen, in der Zwischenzeit bereits in der zweiten Auflage. Für dieses Buch haben wir das ganze Land durchquert, auf der Suche nach Orten, die etwas mehr bieten. Zum Glück haben wir Verstärkung von unseren Kinder (und ihrer ehrlichen Meinung) bekommen.

Das Ergebnis: eine schöne Sammlung von rund 300 herrlichen Flecken, wo man essen, schlafen oder etwas unternehmen kann. Auch auf unserem Blog bringen wir jede Woche Berichte dieser kleinen Abenteuer im eigenen Land, von der Nordsee bis in die Ardennen, vom Herzen Brüssel zu einem vergessenen Ort im Hennegau.

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Die Belgische Küste ist nur im Sommer schön? Nein, natürlich nicht, das ist als würde man sagen, dass Schokoladenkuchen nur am Dienstag lecker ist. Auf Einladung von Westtoer sind wir letzte Woche gefahren nach….

‘Blankenberge, Blankenberge, wunderschöne Stadt! Ich wünschte, dass ich in meinem Garten so ein Blankenberge hätt!’ singen wir mit Clement Peerens, als wir in die von ihm besungene Perle der Küste fahren. Zweck unserer zweitägigen Reise? Vitamin See auftanken und herausfinden, ob Blankenberge wirklich der schönste Fleck der Erde ist.

Trotz der überschwänglichen Reklame von Clement waren wir schon eine ganze Zeit nicht mehr in Blankenberge. Irgendwie landen wir immer wieder in Oostende, wenn wir Seeluft brauchen - und dass ist doch ziemlich oft, da wir im Herzen von Antwerpen wohnen. Ohne Horizont. Blankenberges Ruf als Seniorenheim an der Nordsee trägt dazu bei, dass man diesen Badeort eher links liegen lässt, wenn man an die Belgische Küste fährt. Und das ist wirklich zu Unrecht, was wir sofort bemerken.

Wir brennen darauf, die Stadt zu erforschen. Aber zuerst?

De Kolonel

De Kolonel

Kaffee. Den gibt’s es bei De Kolonel, in einem wunderschönen Laden der Art Deco aus 1936. Bianca serviert einen duftenden Flat White und auch für ein gutes Frühstück sind Sie hier an der richtigen Adresse. Leider wird Sie bald schließen und nach Brügge ziehen, um dort ein neues Geschäft zu eröffnen. Gehen Sie noch schnell vorbei, bis zum 29. September. Oder noch besser: übernehmen Sie die Kaffeebar einfach!

De Paravang

Nach einem ersten sehnsüchtigen Blick aufs Meer haben wir beschlossen, am Deich entlang in Richtung kleiner Hafen zu wandern. Ein nasser aber schöner Spaziergang, und zum Glück können wir uns unter dem Dach des Paravang unterstellen. Dieses elegante Gebäude aus dem Jahr 1908 ist eine der zahlreichen Perlen aus der Belle Epoque, die in Blankenberge zu finden sind, und stammt aus der Zeit, in der die Bürgerschaft an die Belgische Küste kam, um hier in Stil zu flanieren. Paravang verweist auf den Windschutz und diese Funktion erfüllt es in diesem Septemberwetter auf jeden Fall.

De Paravang
Belle Epoque Centrum

Belle Epoque Zentrum und Wanderung

Im Belle Epoque Zentrum tauchen wir in die herrliche Periode des Ende des 19. Jahrhunderts und des Beginns des 20. Jahrhunderts, als Blankenberge eine mondäne Badestadt war. Die Schönheit ist in allen Gebäuden zu finden, was wir auf vielen alten Fotos entdecken. Wissenswertes: früher musste man eine Karte kaufen, um ins Meer zu dürfen.

Mit glänzenden Augen stehen wir da und bewundern die glasierten Ziegel, die sehr oft die Fassaden der Häuser aus dieser Zeit verzieren. Wir erhalten eine Karte, um auf eigene Faust die Belle Epoque Wanderung durch die Stadt zu machen, und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einige Häuser sehen immer noch genauso blendend aus, wie in jungen Jahren (Villa Olga!). Andere stehen etwas vernachlässigt daneben, und wir können uns dann auch vorstellen, wie es wäre, so ein Häuschen zu kaufen und zu restaurieren.

Extra Tipp: die Broschüre ‘Art-Nouveau’ Wanderung durch Blankenberge’, aufgestellt von Stadtführern, zeigt Ihnen die Architektur, die Wandziegel, Schmiedewerke und Glasfenster.

Restaurant Oberbayern 

Unsere Münder gehen auf, als wir ins Oberbayern eintreten, und nicht nur, weil wir Hunger haben. Bayern am Meer? Das gibt es. Nach dem Krieg stand dieses deutsche Café-Restaurant eine Zeit lang leer, bis es im Jahr 1963 ein neues Leben als Familienrestaurant erhielt.

Die wunderbare Inneneinrichtung atmet die Atmosphäre von Wes Anderson und de Sound of Music aus. Pure Magie! Kunden, die vor 50 Jahren hierher kamen, so erzählt der Ober uns, kommen jetzt mit ihren Kindern und Enkeln her. Wir verputzen die Tomate-Garnelen (Kristien) und herrliche Garnelenkroketten (Greetje) und nehmen uns sofort vor, zurück zu kommen.

Restaurant Oberbayern
De Pier

Der Pier und der Strand

Der Nordsee-Strand gehört zu den schönsten der Welt, denken wir - mit dem Rücken zu den vollbebauten Deichen der belgischen Küste, versteht sich. Die gedämpften, besinnlichen Farben, die weitläufigen Linien, das durch Wolken gefilterte Licht. Zum Glück brauchen Sie heutzutage keine Karte mehr zu kaufen, um auf den Strand gehen zu dürfen. Also machen wir einen schöne Wanderung an der Wasserlinie entlang in Richtung Pier, die wir von den Schwarzweißfotos aus dem Belle-Epoque Zentrum wieder erkennen.

Das Bauwerk aus den dreißiger Jahren ist immer noch sehr charmant. Und viel schöner als sein Pendant in Schevening, die zum Shoppingzentrum mit den Füßen im Wasser degradiert wurde.

De Oesterput

In das kanadisch inspirierte Restaurant De Oesterput hinter den Dünen kommen Sie für frische Seefrüchte. Die Sicht auf das Hummerbecken macht das maritime Gefühl perfekt.

Wir beschließen, es richtig zu machen und bestellen die Platte mit Seefrüchten mit Snowcrab, Kingcrab, Garnelen, Langusten, Schnecken, Austern und mehr. Herrlich, wenn man zu Tisch etwas tun muss: wir schälen den ganzen Tag daran.

De Oesterput
De Fonteintjes

De Fonteintjes und der Seewald

Nichts ist erfrischender als eine Seewanderung in den frühen Morgenstunden des Spätsommers. Außerdem ist die Sonne wieder zurück!

Über den Strand geht es in Richtung De Fonteintjes, ein Naturgebiet mit Dünenweihern und feuchtem Dünengrasland zwischen Blankenberge und Zeebrugge. Den Namen hat es vom Stauen der tiefen Teiche, die durch Grabungsarbeiten zur Verstärkung des Deichs aus dem dreizehnten Jahrhundert entstanden, der vermeiden sollte, dass das Meer durch die Dünen brach. Die Teiche enthalten Süßwasser, was schon verrückt ist.

De Fonteintjes wurde 1978 als Naturgebiet geschützt, ein Glück für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, die hier zu Hause sind. Im Herbst sorgt Sanddorn für ein leuchtendes Orange am Weg entlang - probieren Sie die Beeren ruhig, sie sind sauer, aber lecker und enthalten viel Vitamin C.

Das Naturgebiet liegt im Herbst auch auf der Route von Zehntausenden von Vögeln, die auf dem Weg in den Süden sind. Wir installieren uns auf der Aussichtsplattform und nehmen gierig die Schönheit der Belgischen Küste auf.

Seasons

Eine frische Zunge in Butter gebraten? Die finden Sie im Restaurants Seasons am Manitobaplein, das übrigens auch eine tolle Dame Blanche serviert. Mit Hunger verlassen Sie diesen Ort sicher nicht.

Seasons
Surfles

Surfstunde

Nach dem Mittagessen schauen wir im Beachclub O’Neil vorbei … für die allererste Surfstunde unseres Lebens. Die Wellen sind gut, versichert unserer Surflehrer uns, und die Temperatur des Wassers aus: 18°C. Mit einem Wetsuite fühlt sich alles auch schön warm an. Eine Stunde lang kommen wir auf den Wellen neben dem Pier ins Schwitzen und surfen wir beinahe genau so elegant über die Nordsee wie im Internet. Surfen ist allerdings ein großes Wort: wir mühen uns mit dem Brett ab. Aber auch das scheint ein cooler Sport zu sein.

Tipp: alle Gemeinden der Belgischen Küste haben einen eigenen Beachclub, wo man Kitesurfen, Windsurfen, Supping, Wellenreiten, Segeln, Kajaks, Rafting, Wasserski, Speedsegeln und sogar Buggykiten lernen kann.

Die Hütte von Majutte

Bevor wir uns von Blankenberge verabschieden besuchen wir noch die Hütte von Majutte, die älteste Fischerhütte der Belgischen Küste. In der Zeit des Baus dieser Hütter um 1775 führte die Hintertür direkt auf den Strand. Das reißende Kleinod wurde von Peter und Lena wieder ins Leben erweckt, nachdem es zwanzig Jahre lang in Schlaf gefallen war. Hier, so erzählt Peter, hat mal eine 14köpfige Familie gelebt. Der oberste Stock, wo wir uns eine Tarte Tatin haben schmecken lassen, war das Schlafzimmer der 12 Kinder. Ein gemütlicher - und leicht klaustrophober - Betrieb muss das gewesen sein. Peter unterhält seine Gäste mit hundertundeiner Geschichte über die Vergangenheit und zeigt gerne den Küchenlift, den er selbst aus einem alten Schrank gebaut hat.

Huisje van Majutte

Schlussfolgerung

Wir gehen mit folgender eindeutigen Schlussfolgerung nach Hause: Clement Peerens hat Recht. Blankenberge, oh du schöne Stadt. Voller unvermuteter Schätze und geheimnisvoller Funde. Diesmal wird es keine Jahre dauern, bis wir zurückkommen.

Diese Reportage ist im Rahmen von Vitamin See zustande gekommen, in Zusammenarbeit mit Westtoer. Geschlafen haben wir im Hotel Helios, das einen sympathischen Empfang, eine Aussicht aufs Meer … und weiches Bett zu bieten hat.

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